Kletterausrüstung macht mit euch mehr durch, als euch bewusst ist. Nicht nur das Klettern selbst, sondern alles drum herum – Zustiege, das Packen, der Aufenthalt am Wandfuß oder die Heimfahrt. Und genau dann bekommt sie oft am wenigsten Aufmerksamkeit.
Es hilft, sie einmal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Als Ausrüstung, auf die ihr euch verlasst. Beim Klettern geht es nicht nur um Haltbarkeit. Was zählt, ist, wie lange eure Ausrüstung die Eigenschaften behält, die ihr von ihr erwartet.

Was eure Ausrüstung stärker abnutzt, als ihr denkt
Die meisten Menschen verbinden Verschleiß vor allem mit dem Klettern selbst. In Wirklichkeit leidet die Ausrüstung oft stärker, wenn ihr sie gar nicht benutzt.
Typische Situationen
Meistens sind es ganz einfache Dinge. Euer Rucksack bleibt in einem Auto, das in der Sonne steht, und die Temperatur steigt schnell an. Nach einer Klettertour packt ihr nicht aus und alles bleibt feucht. Euer Seil landet auf dem Boden, nimmt Staub auf und wird hier und da mit Füßen getreten. Oder eure Ausrüstung liegt zwischen den Versuchen einfach in der prallen Sonne.
Nichts davon fühlt sich im Moment kritisch an. Aber mit der Zeit summiert sich das.
Ausrüstung altert nicht nur an der Wand
Kletterausrüstung ist zwar strapazierfähig, reagiert aber dennoch empfindlich auf ihre Umgebung. UV-Strahlung schwächt die Fasern langsam, Feuchtigkeit beschleunigt den Verfall, und Chemikalien können Materialien beschädigen, ohne dass dies sofort offensichtlich ist. Selbst wenn ihr nicht klettert, altert eure Ausrüstung also weiter.
Kletterschuhe sind ein Sonderfall
Bei Schuhen ist das etwas anders. Der größte Teil der Abnutzung entsteht durch das Klettern selbst – Reibung, Druck auf die Zehen, Kanten. Aber auch das, was zwischen den Versuchen passiert, spielt eine Rolle. Ob man sie trocknen lässt oder feucht im Rucksack verstaut. Ob sie in der Hitze oder im Schatten liegen. Bei Schuhen machen sich die kleinen Dinge früher oder später bemerkbar.
Was die Ausrüstung am meisten schädigt

So pflegt ihr eure Ausrüstung, damit sie lange hält
Die gute Nachricht ist, dass die Pflege eurer Ausrüstung nicht kompliziert ist. Es geht nicht um spezielle Routinen, sondern vielmehr um eure Herangehensweise und ein paar grundlegende Gewohnheiten, die einen überraschend großen Einfluss darauf haben können, wie lange eure Ausrüstung hält.
Meistens kommt es nicht auf einen einzigen großen Fehler an, sondern auf die kleinen Dinge, die ihr immer wieder tut.
Wenn ihr eure Ausrüstung nicht benutzt, bewahrt sie trocken, im Schatten und bei normaler Temperatur auf. Das gilt für Seile, Klettergurte und Kletterschuhe. Die Ausrüstung über längere Zeit im Auto zu lassen oder in einem feuchten Keller zu lagern, ist genau das, was Materialien nicht mögen – auch wenn man das leicht übersehen kann.
In Küstengebieten ist das noch wichtiger. Salzige Luft und Feuchtigkeit wirken sich stärker auf Materialien aus, als es den Anschein hat. Metallteile können schneller korrodieren, während Textilien Feuchtigkeit aufnehmen.
Hier kommt die Materialauswahl ins Spiel. Für Ocún-Klettergurte verwenden wir Schnallen aus Edelstahl, die weitaus widerstandsfähiger gegen salzhaltige Umgebungen sind als Standardlösungen. In der Praxis bedeutet das mehr Zuverlässigkeit unter Bedingungen, unter denen andere Materialien schneller verschleißen.
Wenn ihr am Meer klettert, lohnt es sich, eure Ausrüstung nach dem Klettern mit klarem Wasser abzuspülen und gründlich trocknen zu lassen.
Auch was direkt am Wandfuß passiert, spielt eine Rolle. Ein Seil, das in den Dreck geworfen oder auf das ab und zu mit den Füßen getreten wird, scheint im Moment keine große Sache zu sein, aber mit der Zeit summiert sich das. Es hilft, die Ausrüstung vom Boden fernzuhalten – idealerweise mit einer Seilplane oder einem Seilsack. Bei Karabinern und Expressschlingen hilft es zudem, unnötigen Kontakt mit scharfen Kanten oder Felsen zu vermeiden.
Bei der Sauberkeit geht es nicht nur um das Aussehen. Staub und feiner Schmutz wirken wie Schleifmittel, die Fasern und Oberflächen nach und nach beschädigen. Seile oder Schlingen können gelegentlich in lauwarmem Wasser gewaschen und an der Luft getrocknet werden. Nicht in direktem Sonnenlicht oder auf einer Heizung!
Kletterschuhe haben ihre Besonderheiten. Sie werden beim Klettern am stärksten beansprucht, aber was zwischen den Versuchen passiert, spielt ebenfalls eine Rolle. Es ist besser, sie auslüften und trocknen zu lassen, als sie feucht im Rucksack zu lassen. Auch langfristige Hitze ist nicht gut für sie. Sie kann sowohl den Gummi als auch den Klebstoff beeinträchtigen. Veränderungen zeigen sich meist allmählich – weniger Reibung, weniger Sicherheit an Kanten oder das Gefühl, dass der Schuh nicht mehr so gut hält wie früher. Das sind die Signale, auf die man achten sollte.
Mehr darüber, wie man Kletterschuhe pflegt und ihre Lebensdauer verlängert, findet ihr in einem separaten Artikel.
Und dann ist da noch die Inspektion. Kurz, routinemäßig, aber wichtig. Schau dir deinen Klettergurt an, überprüfe die Nähte, lass das Seil durch deine Hände gleiten und achte auf Veränderungen. Kurz: Achte auf Abrieb oder Veränderungen an den Textilfasern sowie auf Verformungen oder schwergängige Verschlüsse bei Metallteilen.
Zusammengefasst
- Bewahrt eure Ausrüstung an einem trockenen Ort, im Schatten und bei normalen Temperaturen auf.
- Lasst sie nicht über längere Zeit im Auto liegen und packt sie nicht im feuchten Zustand ein.
- Spült nach dem Klettern am Meer sowohl Metall- als auch Textilteile mit klarem Wasser ab.
- Überprüft regelmäßig Textilien, Nähte, Beschläge und den Gesamtzustand eurer Ausrüstung.
Lebensdauer und ihre Grenzen
Die Lebensdauer von Kletterausrüstung ist nicht nur eine Zahl. Sie hängt davon ab, wie oft man sie benutzt, welchen Bedingungen sie ausgesetzt ist und wie man sie pflegt. Materialien verändern sich mit der Zeit, verlieren ihre ursprünglichen Eigenschaften, und manche Prozesse laufen ohne sichtbare Anzeichen ab.
Bei persönlicher Schutzausrüstung (PSA) reicht es nicht aus, zu sagen, dass sie „noch gut aussieht“. Deshalb werden klare Grenzen definiert, die auf Tests sowie auf dem langfristigen Einsatz unter realen Bedingungen basieren.
Ab 2026 gilt für ausgewählte Ocún-PSA Folgendes
- Maximale Lebensdauer: 14 Jahre ab Herstellungsdatum, bei sachgemäßer Lagerung und ohne Gebrauch
- Maximale Nutzungsdauer: bis zu 10 Jahre ab erstem Gebrauch
Die verlängerte Lebensdauer gilt hauptsächlich nur für die Lagerung. Wenn ihr die Ausrüstung tatsächlich nutzt, ändert sich nichts Grundlegendes. Die Nutzungsintensität, die Einsatzbedingungen und die Pflege haben nach wie vor einen großen Einfluss auf die tatsächliche Lebensdauer.
Welche Produkte sind betroffen?
Diese Regeln gelten für die meisten PSA in unseren Kategorien. Konkret umfasst dies Klettergurte, Schlingen und Lanyards, Klettersteigsets, Expressschlingen und Helme.
Arbeitsgurte aus der THOR-Linie folgen einem eigenen Kennzeichnungssystem (10 + 2 Jahre), das unverändert bleibt.

Die Details, die den Unterschied ausmachen
Auf den ersten Blick sind es Kleinigkeiten. Wie ihr euer Seil zwischen den Versuchen handhabt, wo ihr eure Ausrüstung nach dem Klettern ablegt und ob ihr sie trocknen lasst oder feucht wegpackt. Mit der Zeit sind es jedoch genau diese Details, die darüber entscheiden, in welchem Zustand eure Ausrüstung sein wird und wie sehr ihr euch auf sie verlassen könnt.
Schenkt eurer Ausrüstung ein wenig Aufmerksamkeit und überprüft sie regelmäßig. So müsst ihr nicht erst am Wandfuß entscheiden, ob ihr ihr noch vertrauen könnt.